
1.Wie bist du auf Le Parkour aufmerksam geworden und warum betreibst du es?
Ich hab im Fernsehen einen Bericht über Parkour gesehen (Polylux Sendung (WDR) vom 20.10.2004)
und war sofort fasziniert von der Kontrolle, Eleganz und der (scheinbaren) Leichtigkeit der Bewegungen.
Hab mich gleich danach etwas im Internet informiert und hab dann am nächsten Tag einige
der Bewegungen ausprobiert und das hat mir einiges gezeigt, obwohl ich bei weitem nicht die
Kontrolle/kraft über meine Bewegungen hatte, hab ich doch einige Gegenstände überwunden von denen
ich nie gedacht hätte, dass ich sie schaffen würde. Ich hab mich befreit gefühlt, befreit
davon alltägliche Wege gehen zu müssen, befreit von meinen Gedanken die mich selber beschränkt
haben z.B. einfach mal über ein Geländer zu springen und von den Einschätzungen über meine körperlichen
Fähigkeiten. Mit der Zeit wurde mir dann klar, dass Parkour mehr ist als Springen, Laufen, Klettern
und das "einmalige gerade so" schaffen eines Hindernisses. Diese Erkenntis hat mich extrem inspiriert
die Perfektion in den einzelnen Bewegungen zu finden und durch intensives Training dieser Perfektion
immer etwas näher zu kommen.
2.Von wem ging die Initiative aus den Hochschulsportkurs „Le Parkour“ ins Leben zu rufen? Warum?
Von der Gruppe "Senshi Parkour Magdeburg". Wir hatten schon früher die Möglichkeit
in einer Sporthalle zu trainieren und haben vor allem Dinge trainiert bzw. probiert
die wir draussen nicht probieren konnten (oder nur unter erheblichen Risiken).
Diese Trainingseinheiten in der sicheren Umgebung haben uns die Möglichkeit gegeben
uns realistischer einschätzen zu können und davon hat unser Outdoor Training sehr
profitiert. Leider hatten wir nicht lange die Möglichkeit die Halle zu nutzen,
deswegen haben wir uns wieder reinem Outdoor Training zugewandt. Während und
nach den beiden Parkour Treffen in Magdeburg, die wir organisiert haben,
kamen immer wieder Anfragen von EinsteigerInnen ob es denn möglich ist in einer Halle
zu trainieren. Wir haben uns dann etwas umgehört und haben dann beschlossen
zu versuchen einen Kurs im Hochschulsport einzurichten. Das hatte auch den Vorteil,
dass wir jede Menge neue Interessierte für Parkour erreichen konnten.
Rückblickend war das eine ziemlich gute Entscheidung, es hat einiges an Energie
gegeben, so viele Menschen mitzubekommen, die alle die immense Faszination für
die "Kunst der Fortbewegung" erfahren.
3.Ich bin Laie und komme zum ersten Mal zum Training, was erwartet mich?
Was wird trainiert (nur körperliche Moves oder auch die Philosophie der Traceure)?
Welche Voraussetzung sollte ich mitbringen?
Als erstes werden Basis Bewegungen (auf niedrigem Niveau) trainiert, das wichtigste dabei ist das Richtige
Abfedern und Abrollen um aus Sprüngen die Energie zu nehmen, ohne dass die Gelenke schaden
nehmen (vor allem Langzeitschäden sind dabei problematisch, da einige Zeit falsch
gelandet werden kann, ohne dass etwas bemerkt wird, Probleme treten dann erst später auf).
Bei den ersten Trainingseinheiten wird auf jeden Fall auch klar werden, dass Parkour
ein sehr physischer Sport ist, um auf ein gutes Niveau zu kommen ist es neben dem Training
der Technik auch absolut notwendig Kraft zu trainieren.
Es werden ausschliesslich die Bewegungen und Kraft trainiert, in Pausen wird zwar auch etwas
über die Philosophie diskutiert aber es gibt keinen zielgerichteten Unterricht oder ähnliches.
Ich denke jeder der die Philosophie von Parkour entdecken will, der wird sie auch finden und
diejenigen die Parkour als reinen Fun-Sport sehen, werden Parkour (erfahrungsgemäss) nicht lange betreiben.
Es gibt keine Vorraussetzungen für Parkour, es gibt aber Dinge die einem helfen können einzelne
Techniken besser zu meistern (z.B. Basketballspieler bringen meist eine sehr gute Sprungkraft mit)
aber das Spektrum an Bewegungen im Parkour ist so groß, dass es keinen Sinn macht etwas als
Vorbereitung dafür zu empfehlen, ausser vielleicht der "méthode naturelle".
4.Ist Parkour nur etwas für junge und sportliche Menschen, oder kann jeder mitmachen?
Prinzipiell kann jeder Parkour betreiben. Es geht definitionsgemäss um effiziente Fortbewegung
durch den urbanen Raum. Effizienz ist etwas sehr subjektives, wo z.B. grosse sprungkräftige
Menschen einfach drüberspringen werden kleine Menschen wohl eher andere Methoden finden
müssen um das Hindernis zu bewältigen z.B. durch Klettern. Effizienz bedeutet im Rahmen
der eigenen Möglichkeiten schnell, flüssig und ohne allzu grossen Energieaufwand das
Hindernis zu bewältigen. Dadurch bilden sich auch unterschiedliche "Stile" heraus,
da jeder individuell andere Techniken präferiert.
5.Richtig oder falsch: „Parkour ist eine reine Outdoor-Sportart und ist wetterabhängig.“
Das ist ein wenig schwierig. Parkour wird auch als die "Kunst der Flucht/Verfolgung" verstanden.
Prinzipiell kann es auch innerhalb von Gebäuden zu gefährlichen Situationen kommen, aus denen
mensch entkommen will, deswegen kann man Parkour nicht als reinen Outdoor-Sport betrachten.
Aber was auf jeden Fall nicht Parkour ist, ist Hallentraining, weil Hindernisse arrangiert werden
und mensch sich nicht selbst auf das Hindernis einstellt. Einer der Grundsätze beim Parkour
ist: "Hindernisse dürfen nicht verändert werden", denn in einer Fluchtsituation muss sich
der Fliehende auch an die Gegebenheiten adaptieren. Hallentraining ist ein Hilfsmittel um
sich in sicherer Umgebung schneller auf ein höheres Niveau zu trainieren zu können aber es ist nicht Parkour.
Wetterabhängig ist Parkour demnach auch nicht, weil ich mir nicht aussuchen kann ob ich bei
Regen, Schnee oder unter anderen widrigen Bedingungen fliehen muss. Die Techniken varieren bzw.
einige Techniken sind bei Glätte/Nässe sehr gefährlich und sollten dann nicht trainiert werden.
Ich trainiere inzwischen bei jedem Wetter, weil ich denke, dass Parkour nur dann richtig Sinn macht
wenn ich es auch in jeder Situation anwenden kann.
6.Parkour diene laut Erfinder David Belle nicht dem Wettkampf miteinander, sondern mit sich selbst.
Wenn es also keine Trophäen zu gewinnen gibt, was ist das höchste Ziel eines Traceurs, was will er erreichen?
Freiheit. frei zu sein in den Wegen, die mensch geht, sowohl physische als auch geistige Freiheit....
Ähnlich wie bei Kampfkünsten ist das Ziel Kontrolle über Geist und Körper, um
eine gute Basis zu haben um sich selbst oder anderen in Gefahrensituationen helfen zu können.
Perfektion der Bewegungen und im Fluss mit der Bewegung und der Umgebung sein.
7.Was waren deine bisher schlimmsten Verletzungen durch Parkour?
Nicht viel: Kratzer, Schrammen....das schlimmste was ich mal hatte war vor etwa 1 1/2 Jahren eine
geprellte Schulter, weil ich mich überschätzt hatte, nach einem 5 Stunden
Trainingstag, dennoch gesprungen bin, die Energie aufgrund fehlender Kraft
in den Beinen aber nicht kompensieren konnte, viel zu flach in die rolle rein
und dann auch noch direkt über die Schulter gerollt. Das Verletzungsrisiko
ist eigentlich relativ gering sofern mensch seine Fähigkeiten realistisch einschätzt
und die Schritte mit denen man immer weiter voranschreitet nicht zu gross werden lässt.